Das Wohnmobil, das im Herbst 2007 schon seit einigen Tagen auf der viel befahrenen Barnhusbrücke zwischen den Stockholmer Stadtteilen Kungsholmen und Vasastan stand, erweckte zweifelsfrei Verwunderung bei allen Fußgängern und Radfahrern, die sich täglich daran vorbeibewegten. Ein paar Meter hinter dem Wohnmobil stand ein Warnungsdreieck auf der Fahrbahn, auf dem Radweg stand eine Gehhilfe, ein “Rullator” wie man hier in Schweden sagt. Jemand hatte dann auch noch ein blau-weiss-gestreiftes Plastikband um das Wohnmobil gewickelt, was den Anschein erwecken hätte können, die Polizei hätte das Gefährt untersucht oder abgesperrt. Manchmal lehnte ein Gehstock am Gefährt und manchmal stand eine Platsikschale mit Wasser neben einer Falltreppe, die man aus dem Wagen auf den Gehweg rausgeklappt hatte.
Auf dieser Brücke begegnet man auch des öfteren “Länspolismästaren” Carin Götblad, die im Bezirk Stockholm als Chef der Polizeiorganisation arbeitet. Bei ihrer kurzen Radtour von ihrer Wohnung in Vasastan rüber zum “Polishus” (Hauptgebäude der Stockholmer Polizei) auf Kungsholmen konnte ihrem scharfen Blick wohl dieses Wohnmobil, das ansonsten wohl allen anderen ins Auge stach, wohl nicht entgehen. Schliesslich herrscht auf dieser Seite der Fahrbahn auf der Brücke uneingeschränktes Halteverbot, von Parken da schon mal ganz zu schweigen. Nichtsdestotrotz stand das Gefährt dann aber doch fast 2 Wochen dort.
Als der Gestank von Urin aus dem Wagen dann immer eindringlicher wurde, versuchte ich in einem Telefongespräch die örtliche Polizeidienststelle darauf aufmerksam zu machen, daß sich eventuell kranke Menschen oder Tiere in diesem Gefährt befinden könnten. Es sollte sich im nachhinein herausstellen, daß ich nicht der einizige war der dort angerufen hatte, obwohl man mir am Telefon zu verstehen geben wollte, daß man dort bei der Polizei nichts von diesem Wohnmobil wusste. Anbei sei noch gesagt, dass der Standort des mystischen Wohnmobils nur ein paar hundert Meter von der Einsatzzentrale der Stockholmer Polizei entfernt liegt und täglich sicherlich dutzende von Streifenwagen über eben diese Brücke fahren.
Mein Telefongespräch an diesem regnerischen Abend fruchtete nicht, es wäre ja auch zu viel verlangt gewesen jemanden in einem Streifenwagen in den Regen rauszuschicken, wo doch am selben Abend auch noch ein entscheidendes Fussballländerspiel zwischen Schweden und Nordirland im Rahmen der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 im Fernsehen gelaufen ist. Wer möchte schon einen Polizisten im Dienst zumuten, auch nur ein paar Minuten eines so bedeutungsvollen Spiels zu verpassen?
Am Morgen danach war das Wohnmobil allerdings weg … dachte ich zumindest als ich mich der Brücke näherte. Auf Höhe des Platzes allerdings, wo es am Abend zuvor noch gestanden hatte, zeugten nur noch ein paar kleine, verkohlte Überreste und etwas Asche vom Gefährt, das da offenbar in einem nächtlichen Brand zerstört wurde. Was da passiert war ist nie richtig geklärt worden. Der Presse konnte man entnehmen, daß bei einem explosionsartigen Brand in diesem Wohnmobil ein Mensch umgekommen war. Die Polizei hatte allerdings am Tag danach keinerlei Ahnung wer das war, denn die Identität dieser Person konnte nicht festgestellt werden ….
Hätte man sich die Mühe gemacht das mysteriöse Gefährt zu untersuchen und Kontakt mit dem oder den Bewohnern darin aufzunehmen, dann hätte man ja schon mal Anhaltspunkte gehabt wer in dem Brand um’s Leben gekommen sein könnte. Meine Auffassung vom inkompetenten schwedischen Polizeiwesen hat dieses Ereignis natürlich nur bestätigt. Denn auch wenn es sich beim Handlungsverlauf, der zum Tode des Bewohners des Wohnmobils angeblich “nur” um einen Unfall gehandelt haben soll, so hätte ein Streifenbeamter durch engagiertes Eingreifen zumindest mal in Erfahrung bringen können was in dem Wohnmobil da sich abgespielt hat.
Aber auch beim Kampf gegen grobe Verbrechen bekleckert sich die schwedische Polizei nicht gerade mit Ruhm. Der Mord an Olof Palme ist immer noch nicht aufgeklärt, schon alleine das spricht Bände. Bevor ich mich dem Tagesgeschehen an grober Kriminalität zuwende noch ein kurzer Rückblick in’s Jahr 2000. Damals wurde eine junge Frau auf dem Heimweg von einem Volksfest ermordet. Die Fahnder tappen im Dunkeln, gehen aber damals schon von einem Täterprofil aus das auf einen LKW-Fahrer hindeutet. Nach mehreren Hinweisen auf Verdächtige testet man DNA von einen Brummifahrer aus den Niederlanden, der sich zum Tatzeitpunkt in Schweden befunden haben soll. Man fordert auch eine DNA-Analyse von einem Deutschen Brummifahrer an, den man damals in Deutschland gerade des Mordes an mehreren Frauen hatte überführen können. Die DNA-Spuren die man in Schweden gesichert hatte, konnten dann aber weder mit dem Niederländer oder dem Deutschen in Verbindung gebracht werden.
Ein weiterer Hinweis aus der Bevölkerung auf einen Schwedischen Brummifahrer ist dann allerdings “liegengeblieben”, wie das ein Pressesprecher der Polizei vor einigen Tagen ausgedrückt hat. Ein früherer Schulkamerad meldete sich bei der Polizei und konnte aufgrund eines Phantombilds diesen Schwedischen LKW-Fahrer identifizieren. Dieser heute 42-jährige Schwedische LKW-Fahrer war damals schon, im Jahr 2000 mehrmals rechtsgültig wegen sexueller Nötigung von Frauen verurteilt. Der Hinweis auf ihn wurde aber nie bearbeitet, man hat also nie eine DNA-Analyse vorgenommen. Ein Versäumnis das jetzt im Jahre 2008 ein 10-jähriges Mädchen aus Dalarna mit dem Leben bezahlen mußte. Dieses Mädchen verschwand Anfang April 2008 spurlos auf dem Heimweg.
Aufgrund äussert glücklicher Umstände konnte man beweisen, daß der 42-jährige Mann sich in seinem Auto an dem Ort befand wo das 10-jährige Mädchen zum letzten Male lebend gesehen wurde, nur ein paar hundert Meter vom Elternhaus. Nach einer Woche in Haft gestand der 42-jährige nicht nur dieses 10-jährige Mädchen entführt und getötet zu haben, sondern gestand auch den hier oben erwähnten Mord an der jungen Frau aus dem Jahr 2000.
Von daher nochmals die Frage: warum hat man damals im Jahr 2000, DNA von einem Deutschen und einem Holländer untersuchen lassen, aber Hinweise auf einen Schwedischen Täter ignoriert? Man versucht diese brisante Frage von Seiten der Polizei mit Erklärungen auf unzureichende “veraltete” Computersysteme zu entschärfen, was mir die Haare zu Berge stehen lässt. Computersysteme, die jetzt im Jahre 2008 veraltet sind aber offenbar schon im Jahr 2000 ihren Zweck nicht erfüllt haben? Aber nochmal, meine Frage: warum wurde DNA von einem Deutschen und von einem Holländer untersucht? Warum sind Hinweise auf “Ausländer” nicht genauso “liegengeblieben” wie Hinweise auf einen möglichen Schwedische Täter? Zufall? Ja, es muß wohl Zufall gewesen sein, denn wie wir ja wohl alle wissen ist es ja vööööööööööllig ausgeschlossen daß man gegen Ausländer in Schweden andere Maßstäbe anlegen würde als gegen Schwedische Staatsbürger. Vööööööllig ausgeschlossen …
Und nun zu dem glücklichen Umstand daß der 42-jährige geständige Täter jetzt überführt werden konnte. Bekannte des ermordeten 10-jährigen Mädchens haben vom Opfer wenige Minuten vor der Entführung Bilder mit der Kamera eines neuen Handy’s aufgenommen. Nur kurz darauf ist der Täter in seinem roten Auto an der selben Stelle vorbeigefahren, und die Bekannten des Opfers wollten die Kamera im Handy an einem Objekt in Beweung testen. Ohne diese Bilder von Opfer (auf dem Fahrrad) und Täter (im Auto) würden die schwedischen Ermittlungsbehörden auch heute noch im Dunklen tappen. Man muß es schon als glücklichen Umstand werten, daß die stümperhaften Schwedischen Ermittlungsbehörden nicht nochmals entscheidendes Beweismaterial einfach “liegengelassen” haben ….
Heute wurde zudem bekannt daß die Einsatzleitung schon am ersten Tag der Suche nach dem verschwunden Mädchen den Mann im roten Auto angerufen hatte, weil man sich Hinweise auf den Tathergang erhoffte. Die Einsatzleitung hatte keinerlei Information darüber, daß der Mann im roten Auto ein schon mehrmals vorbestrafter Gewalttäter war. Der jetzt geständige Mörder hat also durch diesen Anruf indirekt darüber Bescheid erhalten daß er am Tatort gesehen wurde. Dies gab ihm Möglichkeit eventuelle Beweise zu beseitigen. Aber das nur als kleines Detail in der amateurhaften Vorgehensweise der Schwedischen Polizei erwähnt, denn letztendlich ist das traurige Fazit halt doch die Einsicht, daß das 10-jährige ermordete Mädchen noch am Leben sein könnte wenn die ermittelnden Behörden wesentlich professioneller und engagierter gehandelt hätten.
Und die Moral von der Geschicht, trau’ den schwedischen Bullen nicht …. oder wie lange müssen wir hier in diesem Land noch darauf warten, daß die Polizei endlich anfängt professionell zu arbeiten.